Altböhmische Lebzelterei

Geschichte de Gewerbes

Der erste Bericht über die Lebzeltenproduktion in  böhmichem Raum stammt von 1335, wo die Lebkuchen bei der  Kirchweih in Turnov verkauft wurden. Bis Ende des 17.  Jahrhunderts war Lebkuchen, und besonders Marzipan, eine  luxuriöse Ware, bestimmt vor allem für wohlhabende Menschen.  Erst im 18. Jahrhundert, mit der Entwicklung der heimischen  Bienezucht, kam es zur Verbreitung der Lebkuchenproduktion  und ihrer Produkte unter durchschnittliche Menschen. Im 19.  Jahrhundert, durch erhöhte Nachfrage, kam es zur  Vereinfachung der Produktionstechnologie. Mit Ende der 19.  und Anfang des 20. Jahrhunderts begann die Lebzeltenproduktion  sowie andere Zunftgewerbe zu untergehen und die  Industrieproduktion zu entwickeln. Alle diese Änderungen  spiegelten sich natürlich auch in der Qualität der  Holzmodelschnitzerei wider.

Die Schnitzerei von Lebkuchenmodeln

Die perfekt geschnittenen Model von der zweiten Hälfte  des 17. Jahrh. und teilweise des 18. Jahrh. ragen mit ihrem  hohen Kunstwert hervor, die von proffessionellen Schnitzern  zeugen und die wahrscheinlich zum Formen von Marzipan genutzt  wurden. Die perfekte Bearbeitung des negativen Reliefs dieser  Barockmodel verrät, dass diese Modeln von Schnitzern der  Barokstatuen gefertigt wurden, die alle Details der  derzeitigen Bekleidung, Blumen, Waffen u.a. gekannt haben und  fähig waren, sie in negativer Darstellung auszudrücken. Über  die Proffessionalität der Schöpfer sprechen auch die  Kompositionen und die Posen der Figuren. Diese Zeitspanne ist  auch die Blütenhöhe der Lebzeltmodelschnitzerei, die  seitdem nie erzielt wurde. Der Schöpfer der vorgelegten  Model hat den Ziel, wenigstens so nahe wie möglich zu diesen  alten Meistern dieses Gewerbes zu kommen.
 Die Schnitzerei der Marzipan- und Lebzeltenmodel (die  sog. Reliefschnitzerei) hatte und hat, wie jedes andere  Gewerbe, ihr System von unvermeidbaren Grundverfahren und  Prinzipien. Es ist vor allem die Einhaltung der sog. Pläne,  d.h. der Tiefebenen des Schnitzens. Der erste Plan ist das  Herausnehmen des Figurenrahmens in eine ensprechende Tiefe.  In dieser sekundären Fläche sind schon plastisch die  Hauptelemente der Figur oder des Motifs geschnitten, was den  zweiten Plan bildet. Auf der Ebene des zweiten Plans sind  schon alle Details und Dekorationen gefertigt. Dieses  Plansystem war für den Schnitzer zwar verbidlich, seine  Anwendung war jedoch variabel und dynamisch. Eine besondere  Bedeutung hatte dabei die Tatsache, dass die  Tiefenunterschiede unter einzelnen Modelteilen nicht zu groß  waren. Die Nichteinhaltung dieses Prinzips hätte dann  Probleme beim Backen bringen, denn die unterschiedlich  dicken Teile der Lebzelt würden sich auch unterschiedlich  durchbacken. Einige Teile wären dann gebrannt und einige  nicht genug gebacken. Die Kombination dieser Anforderung mit  der gegensätzlichen Anforderung auf die plastische  Darstellung der Figur oder des Gegenstandes (Plansystem)  macht dann von der Schnitzerei der Lebzeltenmodeln einen  speziellen Teil des Gewerbes.

Entwicklung der Schnitzerei der Lebzeltenmodel im 17. Jahrhundert und die Angewandten Themen

Die erhaltengerbliebenen Model von dieser Zeit stellen ein  Bild der perfekten negativen Barockschnitzerei. In der Zeit  wurden sie zum Formen von Marzipan benutzt, das dank seiner  hervorragenden Modellierungsfähigkeit auch die feinsten  Deteils darstellt.
Die Themen von Modeln spiegeln das Milieu der Zeit wider.  Es sind meistens religiöse Themen, Figuren von Herrschern,  Damen, Kavaliere, Jagd- und Liebeszenen.

Entwicklung der Schnitzerei der Lebzeltenmodel im 18. Jahrhundert und die Angewandten Themen

Vom Anfang des 18. Jahrhunderts ändert sich langsam der  Charakter der Schnitzerei. Die Kenntnis und Beherrschung des  Gewerbes bleibt erhalten, eine charakteristische Form von  Modeln prägt sich jedoch aus. Sie ist nicht mehr beeinflusst  von der Statuen- und Reliefschnitzerei. Die Feinheit und  Individualität der Figurengesichter verschwindet und der  Schnitzer neigt zu bleibwerdenden Figuren. Einzelne Pläne  sind streng unterschieden.
Von den Themen verschwinden Figuren der Adel und  Herrscher, die Liebespaare sind volksartig oder städtisch  bekleidet. Auch das Repertoir der religiösen Themen wird  volksartig. Die Ikonographie wird jedoch um Motive der  Fruchtbarkeit, des Schutzes und der Erotik breiter. Neulich  erscheinen auch kleinere Motive zur Produktion von Lebkuchen  als Geschenke von Kirchweihen.

Entwicklung der Schnitzerei der Lebzeltenmodel im 19. Jahrhundert und die Angewandten Themen

Am Ende des 18. Jahrhunderts und im 19. Jahrhundert haben  sich mit der Modelschnitzerei nicht nur Spezialisten  beschäftigt. Es waren die Bäcker selbst, die die Model mit  kleinerer oder größerer Kenntnis der Technologie und  Prinizipien auch fertigen. Besonders gegen Ende des  Jahrhunderts können wir an eine nicht gute oder sogar diletente  Schnitzerei treffen.
 Das Themenrepertoir wird enger, die Figuren grober und die  Breite der Werkzeuge kleiner. Der Ikonographische Inhalt der  Motive wird ärmer und auch die Bewusstheit einzelner  Bedeutungen verschwindet. Es erscheinen jedoch auch neue  zetgenössische Themen, wie z.B. Maschine, Zug u.a.